Wohlverhaltensphase – Die Checkliste

Für Schuldner, die gerade mitten im Insolvenzverfahren stecken oder kurz davor stehen, ist besonders ein Abschnitt des Verfahrens von zentraler Bedeutung: die Wohlverhaltensphase oder auch Wohlverhaltensperiode. Diese Phase beginnt mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und endet – wenn alles gut läuft – nach 3, 5 oder 6 Jahren mit der Restschuldbefreiung.

Wohlverhaltensphase

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Doch was genau passiert in der Zwischenzeit? Der Schuldner muss sich in der Wohlverhaltensphase an bestimmte Regeln halten, um die Restschuldbefreiung nicht zu verspielen. Damit das nicht passiert, haben wir hier eine Checkliste mit allen Regeln zusammengestellt.

Wohlverhaltensphase – die Checkliste

  1. Der Schuldner muss während der Wohlverhaltensphase eine zumutbare Tätigkeit ausüben, um mit dem Gehalt die Schulden abzubezahlen. Zumutbar bedeutet, dass er jede Arbeit annehmen und ausführen muss, die seiner Qualifikation und seinem Gesundheitszustand angemessen ist.
  2. Ist der Schuldner arbeitslos, muss er sich einen Arbeitsplatz suchen und darf keine zumutbare Arbeit ablehnen. Im Zweifelsfall muss der Schuldner seine intensiven Bemühungen nachweisen.
  3. Alternativ kann der Schuldner auch selbstständig arbeiten. An den Treuhänder muss der Schuldner dann soviel abführen, wie er es auch als Angestellter tun würde.
  4. Wenn der Schuldner während der Wohlverhaltensphase eine Schenkung erhält oder ein Erbe antritt, muss er 50% davon zur Tilgung der Schulden nutzen. Der Schuldner hat jedoch das Recht, ein Erbe auszuschlagen.
  5. Der Schuldner zahlt die so zustande kommende Tilgungssumme an den Treuhänder. Dieser wiederum verteilt die Summe an die Gläubiger. Somit ist gewährleistet, dass kein Gläubiger bevorzugt wird.
  6. Bezahlt wird der Treuhänder aus dem pfändbaren oder – falls dieses nicht vorhanden ist – aus dem unpfändbaren Einkommen.
  7. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verpflichtung des Schuldners, den Treuhänder und das Insolvenzgericht über einen Wechsel des Arbeitsplatzes oder des Wohnsitzes zu informieren. Die Benachrichtigung darüber muss innerhalb von zwei Wochen stattfinden.
  8. Weiterhin ist der Schuldner zur Mitwirkung verpflichtet, d.h. er muss jede Aufforderung oder Anfrage seines Treuhänders oder des zuständigen Insolvenzgerichts vollständig und wahrheitsgemäß innerhalb von zwei Wochen beantworten.
  9. Dem Schuldner kann die Restschuldbefreiung versagt werden, wenn er gegen die Insolvenzordnung gemäß §290 InsO verstoßen hat und z.B. straffällig geworden ist.
  10. Ein weiterer Verstoß gegen die Insolvenzordnung sind unrichtige oder unvollständige Angaben im Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Die Liste der Pflichten bzw. Auflagen, denen der Schuldner Folge leisten muss, ist lang und in der Praxis nicht immer einfach umzusetzen. Deshalb ist es wichtig, sich gründlich mit den Anforderungen der Wohlverhaltensphase auseinander zu setzen. Ein kleiner Fehltritt genügt und die Chance auf eine Restschuldbefreiung ist geplatzt.

Falls Sie noch weitere Fragen haben oder eine professionelle Beratung benötigen, rufen Sie mich gerne kostenlos an unter 0221 301 940 17 oder schreiben Sie eine E-Mail an info@schuldnerberatung-erven.com.

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Schuldnerberater in Köln

 

Bildquellennachweis: Oleksandr Delyk – fotolia.com

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