Privatinsolvenz anmelden: Die vier häufigsten Fragen

Was bedeutet es konkret, wenn man eine Privatinsolvenz anmelden muss? Viele Schuldner haben von der Privatinsolvenz gehört, wissen aber nicht, worum es dabei geht. „Insolvent“ heißt zahlungsunfähig.  Eine Privatinsolvenz ist aber etwas anderes! Man meldet sie beim Gericht und auch wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist, bedeutet sie für diesen ein finanzieller Neuanfang.

Man sagt zwar „Ich melde Privatinsolvenz an“ oder „er meldet sich insolvent“, aber häufig hilft dabei ein Anwalt oder Schuldnerberater, der eine außergerichtliche Schuldenbereinigung durchführt und dann den Insolvenzantrag ausfüllt und auch einreicht.

Privatinsolvenz anmelden

Privatinsolvenz anmelden

Privatinsolvenz anmelden: Die vier häufigsten Fragen

Sie konnten in unserem Blog bereits lesen, aus welchen Schritten die Insolvenz besteht. Viele Leser fragen sich aber, was Privatinsolvenz anmelden für sie persönlich genau bedeutet. Hier beantworten wir die vier dringlichsten Fragen zum Thema:

  1.  „Darf ich noch arbeiten gehen und überhaupt Geld verdienen?“ – Ja! Sie müssen ihren Job nicht kündigen (und Ihnen darf wegen des Verfahrens auch nicht gekündigt werden!) und sollen sogar nach allen Möglichkeiten weiterhin Geld verdienen oder sich einen Job suchen.
  2. „Wird dann mein ganzes Einkommen gepfändet? “ – Von Ihrem Einkommen wird nur ein gewisser Teil gepfändet und an die Gläubiger verteilt. Wie viel gepfändet werden kann, kann man in der Pfändungstabelle nachlesen. Aus dem Restbetrag können Sie ihren Lebensunterhalt finanzieren. Es lohnt sich, mehr zu verdienen, weil dann auch mehr übrig bleibt.
  3.  „Was ist mit neuen Schulden?“ – Während des Insolvenzverfahrens dürfen keine neuen Schulden gemacht werden. Neue Schulden während des Insolvenzverfahrens bleiben bestehen.
  4.  „Stehe ich nie wieder auf eigenen Beinen?“ – Ja! Der Sinn des Insolvenzverfahrens ist es, dass Sie nach spätestens sechs Jahren wieder schuldenfrei sind und finanziell neu anfangen können.

Vorbereitung der Privatinsolvenz

Als erstes muss geklärt werden, wie viele Schulden bestehen. Die Schuldner haben oft Angst vor einer riesigen Schuldenlast und einem Berg an Rechnungen, der nicht kleiner wird. Manche haben irgendwann aufgegeben die Finanzen in Ordnung zu bringen. Dabei sorgen auch Zinsen dafür, dass die Schulden ständig ansteigen. Deswegen ist als erstes eine „Bestandsaufnahme“ notwendig. Gläubiger oder Schulden sollten vom Schuldner nicht verschwiegen werden. Nur Schulden, von denen ein Anwalt weiß, können auch bearbeitet werden.
Bringen Sie von jedem Gläubiger ein Schreiben mit zum Beratungsgespräch. Wir finden dann die tatsächliche Höhe der Schulden heraus. Dies ist für das Schuldenbereinigungsverfahren und die Privatinsolvenz wichtig.

Außergerichtliche Einigung vor der Privatinsolvenz

Wenn alle Schulden feststehen und genau geklärt ist, wie viel Sie wem schulden, wird ein Plan entwickelt. Dazu muss man überlegen, wie viel Geld man monatlich zurückzahlen kann, ohne in neue Probleme zu geraten. Jetzt kann man allen Gläubigern ein Angebot machen, einen Teil der Schulden zurückzuzahlen. Oft akzeptieren Gläubiger dieses Angebot, weil sie wissen, dass sie sonst von einem finanziell überforderten Schuldner vielleicht noch weniger oder gar nichts bekomme. Wenn aber nicht genug Gläubiger dem Vorschlag zustimmen, ist die Privatinsolvenz der nächste Schritt.

Bei Gericht Privatinsolvenz anmelden

Mit der Auflistung der Schulden und der Erklärung, dass die Einigung nicht funktioniert hat, wendet man sich dann ans Gericht. Im Antrag müssen unbedingt alle Gläubiger erwähnt werden, denn wenn einer nicht im Insolvenzantrag steht, sind die Schulden bei ihm auch nicht durch die Insolvenz betroffen.
Auch jetzt steht noch einmal ein Einigungsversuch vor dem Insolvenzverfahren. Dabei versucht das Gericht, die Gläubiger zu einer Einigung zu bewegen und sie von einem Schuldenbereinigungsplan zu überzeugen. Erst wenn auch dieser zweite Einigungsversuch vor dem Insolvenzverfahren scheitert, kann es beginnen.

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Schuldnerberater in Köln

 

Bildquellennachweis: kamasigns – fotolia.com

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