Die Pfändungsfreigrenze – Tipps vom Anwalt

Wer Schulden hat, kommt früher oder später mit der Pfändungsfreigrenze in Kontakt. Viele denken dabei an den Gerichtsvollzieher, der in einer Wohnung den berüchtigten Kuckucks-Aufkleber auf die Gegenstände klebt, die gepfändet werden sollen.

Pfändungsfreigrenze

Pfändungsfreigrenze

Für Schuldner hat die monatliche Pfändung von ihrem Gehalt aber meist eine größere Bedeutung. Viele machen sich Sorgen, dass ihr ganzes Einkommen gepfändet wird, wenn sie es nicht mehr schaffen, einen Kredit zurückzuzahlen. Das würde unweigerlich zu weiteren Schulden führen, weil trotzdem weiterhin Miete, Essen und sonstiges weiter bezahlen werden muss. Also verschwindet nicht das gesamte Einkommen vom Konto, sondern es gibt für jeden eine Pfändungsfreigrenze.

Wann wird gepfändet?

Schulden sollen grundsätzlich zurückgezahlt werden. Eine Möglichkeit für Gläubiger, sicherzustellen, dass sie ihr Geld bekommen, ist das Pfänden des Einkommens. Dann wird ein Teil des Gelds, das über die Pfändungsfreigrenze hinausgeht, vom Arbeitgeber nicht an den Schuldner überwiesen, sondern direkt an den Gläubiger. Wenn es mehrere Gläubiger gibt, werden diese nacheinander „abbezahlt“. Der Gläubiger muss für eine Lohnpfändung die Forderung gegenüber dem Arbeitgeber nachweisen und eine Pfändung bei Gericht beantragen.

Was bedeutet die Pfändungsfreigrenze dabei?

Wenn jemand monatlich zum Beispiel 1.500,00 € verdient, kann ein Gläubiger davon nicht die vollständigen 1.500,00 € für sich beanspruchen. Dann würde dem Schuldner kein Geld mehr für das eigene Leben oder Unterhaltsverpflichtungen bleiben. Es gilt die Lohnpfändungstabelle.

Der Gesetzgeber regelt alle zwei Jahre neu, wie viel Geld Schuldner verdienen dürfen, ohne etwas von ihrem Einkommen abgeben zu müssen. Seit Juli 2015 gilt für Alleinstehende ohne Unterhaltsverpflichtungen als Pfändungsfreigrenze ein Betrag von 1.079,99 €. Wenn jemand netto nicht mehr als diesen Betrag zur Verfügung hat, muss der Arbeitgeber gar nichts von seinem Lohn an den Gläubiger weiterreichen. Der Schuldner kann aber trotzdem versuchen, die Schulden abzubezahlen. Über so eine außergerichtliche Lösung sollte man so früh wie möglich nachdenken.

Wer Unterhaltsverpflichtungen hat, also beispielsweise einen Ehepartner, der nichts verdient, oder Kinder, muss noch weniger von seinem Lohn abgeben. Bei einem Kind liegt die Grenze zum Beispiel 400,00 € höher. Bei zwei Kindern um 630,00 € höher. Wer zwei Kinder und einen Partner zu versorgen hat, behält vom Nettoeinkommen schon 1.929,99 €.

Einkommen über der Pfändungsfreigrenze

Diejenigen, die mehr als die Pfändungsfreigrenze von 1.079,99 € verdienen und keinen Unterhalt zahlen müssen, kann man noch mal unterteilen:

Für das Nettoeinkommen zwischen 1.079,99 € und 3.292,09 € gilt: Wer mehr verdient, muss zwar mehr bezahlen, aber darf auch mehr behalten. Statt also immer auf die untere Grenze zurückzufallen bekommt jemand, der monatlich 1.500,00 € netto verdient, noch 1.202,02 € ausgezahlt. 298,28€ gehen an den Gläubiger.

Es gibt aber noch eine zweite Grenze bei 3.292,09 €. Wer so viel oder mehr netto verdient, bekommt davon monatlich nur 1.551,28 € ausgezahlt.

Diese Zahlen gelten jeweils für Alleinstehende. Hat jemand noch Partner oder Kinder zu versorgen, steigen die Einkommensgrenzen. Außerdem gibt es zum Beispiel im Krankheitsfall spezielle Regelungen: Die zusätzliche Belastung kann unter gewissen Umständen angerechnet werden, sodass sich der Freibetrag erhöht.

Dem Schuldner wird also nicht sein gesamtes Einkommen „weg gepfändet“. Wenn Sie wissen möchten, welche Pfändungsfreigrenze und auch welche Sonderregelungen vielleicht für Sie gelten, machen Sie einen Beratungstermin bei uns aus.

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Schuldnerberater in Köln

 

Bildquellennachweis: Finanzfoto – fotolia.com

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