Doppelpfändung – Das müssen Sie wissen!

Eine Kontopfändung oder eine Lohnpfändung treffen den Schuldner oft schon hart. Allerdings kann es sogar trotz bestehender Lohnpfändung zusätzlich auch noch zu einer Kontopfändung kommen. Bei einer derartigen Doppelpfändung wird dem Schuldner gleich zweimal Geld genommen, was schwerwiegende finanzielle Folgen haben kann. Wir können jedoch die Doppelpfändung für Sie beseitigen!

Doppelpfändung  von Konto und Lohn

DoppelpfändungEine besonders schwierige finanzielle Situation kann auftreten, wenn der Gläubiger Konto und Lohn pfändet (Doppelpfändung). Bei der Lohnpfändung überweist  der Arbeitgeber den pfändbaren Teil des Lohnes des Arbeitnehmers an den Gläubiger. Nur noch der unpfändbare Anteil am Lohn wird dann an den Arbeitnehmer überwiesen. Hierbei hat sich der Arbeitgeber an die aktuelle Pfändungstabelle zu halten: je mehr der Arbeitnehmer verdient, desto mehr verbleibt ihm. Bei einer Doppelpfändung auch des Kontos wird nun der auf dem Konto ankommende Restbetrag erneut von der Pfändung erfasst. Hier gelten aber lediglich starre Grenzen („pfandfreier monatlicher Sockelbetrag“), die dem Kontoinhaber verbleiben. Dies unabhängig davon, wieviel der Kontoinhaber verdient. Die Bank behält also bei einer Doppelpfändung noch einmal die Differenz zwischen unpfändbarem Lohn und dem „pfandfreien monatlichen Sockelbetrag“ ein.

Beispiel einer doppelten Pfändung

Für einen Single mit einem Nettoeinkommen von 2.000 € bedeutet dies, dass aufgrund der Lohnpfändung 648,28 € gepfändet werden können (siehe aktuelle Pfändungstabelle). Diesen Betrag überweist der Arbeitgeber an den Gläubiger, der die Lohnpfändung durchführt. Der unpfändbare Teil von 2.000,00 € – 648,28 € = 1.357,72 € wird dann vom Arbeitgeber auf das Konto des Arbeitnehmers überwiesen. Wenn dann auch das Konto gepfändet ist, sollte der Arbeitnehmer ein Pfändungsschutzkonto einrichten. Auf dem Pfändungsschutzkonto besteht allerdings für den Single ohne Unterhaltspflichten nur ein Grundfreibetrag von 1.073,88 €, den der Kontoinhaber dann nur noch erhält. Den Rest behält die Bank ein und überweist nochmals an den Gläubiger. Das heißt konkret, die Differenz von 1.357,72 € – 1.073,88 € = 277,84 € verliert der Schuldner also auch noch und wird durch die Doppelpfändung zweifach bestraft.

Die Lösung

Wir stellen für den Schuldner einen Antrag beim Vollstreckungsgericht zur Freigabe des pfändungsfreien Betrages (Antrag nach § 850 k Abs. 4 ZPO). Dann wird dem Schuldner auch der von der Bank einbehaltene Anteil an den Schuldner ausgezahlt und es wird nur einmal entsprechend der Lohnpfändungstabelle gepfändet.

Im oben gennanten Beispiel bedeutet dies, dass es bei der Lohnpfändung von 648,28 € bleibt. Dem Arbeitnehmer verbleiben endgültig die 648,28 € auf seinem Konto. Trotz bestehender Kontopfändung gehen dem Schuldner nicht noch zusätzlich 277,48 € verloren. Die Doppelpfändung geht auf dem Konto ins „leere“.

In jedem Fall sollte bei bestehender Kontopfändung sofort ein Pfändungsschutzkonto eingerichtet werden. Empfehlenswert ist dies schon bei ernsthaften finanziellen Problemen, die einen Zugriff von Gläubigern auf das Vermögen des Schuldners befürchten lassen.

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Schuldnerberater in Köln

Bildquellennachweis: ©  fotolia

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