Die außergerichtliche Schuldenbereinigung

Sollte jemand in die Lage geraten, seine Schulden – also Kredite oder unbezahlte Rechnungen nicht mehr begleichen zu können, ist er zahlungsunfähig.

Dafür gibt es zwei Lösungen: Eine “außergerichtliche Schuldenbereinigung”, sie ist der erste Schritt im Fall einer Zahlungsunfähigkeit. Sie ist Pflicht und wird vor dem Insolvenzverfahren – der zweiten Lösung – durchgeführt. Das heißt, der Schuldner versucht, sich ohne Gerichtsverfahren mit seinen Gläubigern zu einigen.

Es ist ratsam, einen Anwalt zur Hilfe zu nehmen. Gesetzlich vorgegeben ist das nicht. Gesetzlicher Beistand wird erst beim Insolvenzantrag Pflicht. Insolvent ist ein Schuldner, wenn er kein Geld hat, um seine Schulden zu zahlen und die Gläubiger die außergerichtliche Einigung nicht akzeptieren oder eine Zwangsvollstreckung vornehmen.

Der Insolvenzantrag leitet das Insolvenzverfahren ein. Er wird nur gestellt, wenn eine Einigung nicht klappt.

Das passiert bei der „außergerichtlichen Schuldenbereinigung“

Außergerichtliche SchuldenbereinigungDie “außergerichtliche Schuldenbereinigung” läuft so ab: Der Schuldner macht zuerst eine Liste mit seinem Vermögen und eine mit seinem Einkommen.

Dann erstellt er eine weitere Liste mit allen Gläubigern und Forderungen.

So entsteht ein Überblick über die genauen Summen. Experten empfehlen, die Schulden den der Reihenfolge nach aufzulisten. Also: die neuesten Schulden zuerst, die ältesten zuletzt.

Die Ratenzahlung

Ist noch Geld vorhanden, verhandelt der Schuldner mit seinen 5 Gläubigern. Es gibt verschiedene Wege, Schulden zu begleichen: Eine Option ist die Ratenzahlung. Das Geld wird jeden Monat in kleinen Summen zurückgezahlt.

Das wird gemacht, wenn kaum noch Einkünfte vorhanden sind. In diesem Fall muss der Schuldner den exakten vereinbarten Betrag regelmäßig über sechs Jahre zurückzahlen. Er muss außerdem sein Einkommen regelmäßig offenlegen. Verdient er einmal mehr Geld als angegeben, müssen die Raten angepasst werden.

Sollten nach sechs Jahren noch Schulden vorhanden sein, werden sie dem Schuldner erlassen. Er ist dann von seinen Schulden befreit. Aber: Kann der Schuldner diese Raten einmal nicht zahlen, ist die “außergerichtliche Schuldenbereinigung” gescheitert. Die Raten müssen also so gering festgelegt werden, dass das nicht passiert. Akzeptiert der Gläubiger diese Lösung nicht, kommt ebenfalls keine Einigung zu Stande. In beiden Fällen folgt das Insolvenzverfahren.

Die Einmalzahlung

Hat der Schuldner noch Vermögen, kann er auch eine größere vereinbarte Summe auf einen Schlag zahlen. Das ist die so genannte Einmalzahlung.

Akzeptiert der Gläubiger die Zahlung und erlässt eventuelle Restschulden, ist der Schulder danach schuldenfrei. Manchmal verzichtet der Gläubiger auch auf einen Teil seiner Forderungen. Dann spricht man von einem Teilerlass.

Verzichtet er ganz auf sein Geld, spricht man vom Schuldenerlass. Wichtig ist, dass der Gläubiger in keinem der Fälle weniger Geld bekommt, als wenn ein Insolvenzverfahren durchgeführt wird.

Andere Vereinbarungen

Eine Option, die selten von den Gläubigern akzeptiert wird, ist der Nullplan. Dieser wird erstellt, wenn der Schuldner kein Geld erzieht mehr hat. Die Gläubiger bekommen dann auch keines. Er führt deswegen immer zum Insolvenzverfahren.

In allen Fällen erstellt der Schuldner einen sogenannten Schuldenplan. Den muss er von einem Anwalt bestätigen lassen. So wird die ehrliche Absicht, die Gelder zurückzahlen zu wollen, dokumentiert. Das ist Voraussetzung für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Erfolgsfaktoren:

Die “außergerichtliche Schuldenbereinigung” kann Erfolg haben, wenn Folgendes beachtet wird : Je höher die Anzahl der Gläubiger – und damit meist auch die Summe der Schulden – desto unwahrscheinlicher ist eine Einigung.

Die Einmahlzahlung ist die erfolgreichste Option.

Je älter die Schulden, desto wahrscheinlicher akzeptiert der Gläubiger den Schuldenplan. Er ist oft froh, überhaupt noch Geld zu sehen. Private Gläubiger, also Banken zum Beispiel, akzeptieren einen Schuldenplan oft. Öffentlich-rechtliche Gläubiger, wie etwa das Finanzamt, dürfen einen Schuldenplan nur selten akzeptieren.

Vorteile:

Die Vorteile einer “außergerichtlichen Schuldenbereinigung” sind:

  • Sie geht schneller als ein Insolvenzverfahren
  • Sie ist diskret – niemand aus dem Umfeld des Schuldners erfährt davon
  • Die finanzielle Unabhängigkeit des Schuldners bleibt bestehen

Sollte ein Schuldner kein Geld für einen Anwalt haben, kann er einen vom Amtsgericht gestellt bekommen. Dazu muss er einen Beratungshilfeschein ausfüllen.

Das passiert, wenn es nicht klappt

Scheitert die “außergerichtliche Schuldenbereinigung”, wird ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Wichtig: Ab Scheitern des Plans hat der Schuldner nur sechs Monate Zeit, den Insolvenzantrag zu stellen.

 

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Schuldnerberater in Köln Braunsfeld

Bildquellennachweis: © Photocreo Bednarek – Fotolia.com

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