Ablauf einer Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz, die auch Verbraucherinsolvenzverfahren genannt wird, läuft in 4 Schritten ab. Jeder einzelne davon hat wiederum seine eigenen Abläufe. Im Folgenden wird der Ablauf einer Privatinsolvenz Schritt für Schritt erklärt:

Schritt 1: Der außergerichtliche Einigungsversuch

Ablauf einer Privatinsolvenz

Ablauf einer Privatinsolvenz

Während des Prozesses der Privatinsolvenz muss der Schuldner zunächst versuchen, sich mit seinen Gläubigern außerhalb des Gerichts zu einigen. Der Schuldner geht dabei so vor:

Er erstellt zwei Listen. Eine mit seinem Vermögen und Einkommen und eine mit allen Forderungen und Gläubigern. Wichtig: Neuste Schulden sollten zuerst, älteste Schulden zuletzt aufgelistet werden!

Die Listen werden verglichen, es wird ein Überblick geschaffen: Wieviele Schulden gibt es genau? Wieviel Geld ist eventuell den noch vorhanden?

Jetzt muss der Schuldner mit seinen Gläubigern verhandeln, wie er seine Forderungen begleichen kann. Dazu gibt es unterschiedliche Wege.

  1. Die Ratenzahlung: Das Geld wird jeden Monat in kleinen Summen zurückgezahlt. Das wird gemacht, wenn kaum noch Einkünfte vorhanden sind. In diesem Fall muss der Schuldner  den exakten vereinbarten Betrag regelmäßig über sechs Jahre zurückzahlen. Er muss außerdem sein Einkommen regelmäßig offenlegen. Verdient er einmal mehr Geld als angegeben, müssen die Raten angepasst werden. Sollten nach sechs Jahren noch Schulden vorhanden sein, werden sie dem Schuldner erlassen. Er ist dann von seinen Schulden befreit. Aber: Kann der Schuldner diese Raten einmal nicht zahlen, ist die “außergerichtliche Schuldenbereinigung” gescheitert. Die Raten müssen also so gering festgelegt werden, dass das nicht passiert. Akzeptiert der Gläubiger diese Lösung nicht, kommt ebenfalls keine Einigung zu Stande. In beiden Fällen legt der Ablauf einer Privatinsolvenz fest, dass das Insolvenzverfahren folgt.
  2. Die Einmalzahlung: Hat der Schuldner noch Vermögen, kann er auch eine größere vereinbarte Summe auf einen Schlag zahlen. Das ist die so genannte Einmalzahlung.
  3. Der (Teil-) Schuldenerlass: In manchen Fällen verzichtet der Gläubiger zum Teil oder ganz auf sein Geld. Der Schuldner ist dann schudenfrei.

Wichtig:  

  • Alle Gläubiger müssen mit dem Schuldenplan einverstanden sein.
  • Die Gläubiger dürfen nicht weniger Geld bekommen, als ihnen ein Insolvenzverfahren einbringen würde
  • Der Schuldenplan muss von einem Anwalt bestätigt werden, damit im Fall des Scheiterns das Insolvenzverfahren eingeleitet werden kann.

Scheitert Schritt 1, folgt

Schritt 2: Das gerichtliche Einigungsverfahren

Das gerichtliche Einigungsverfahren gibt es in 2 Varianten: Das einfache Insolvenzverfahren verteilt alles noch vorhandene Geld auf die Gläubiger.

Andernfalls wird mit Hilfe des Gerichts entschieden, wie der Schuldner seinen Gläubigern offen stehende Forderungen zurückzahlt. Es wird ein Schuldenbereinigungsplan erstellt. Dieser kann die in Schritt 1 beschriebenen Zahlungsmöglichkeiten enthalten.

Nachdem also geklärt ist, sollte wie der gerichtliche Ablauf einer Privatinsolvenz aussieht, wird im Folgenden erklärt, was auf den Schuldner außerdem zukommt:

Schritt 3 im Ablauf einer Privatinsolvenz: Die Wohlverhaltensphase 

Um das Endziel im Ablauf einer Privatinsolvenz – die Restschuldbefreiung – zu erreichen, muss der Schuldner sechs Jahre lang die Wohlverhaltensphase überstehen.

In der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner

  • sein Einkommen einem Treuhänder übergeben. Dieser gibt jeden Cent der nicht zum Leben gebraucht wird, an die Gläubiger und zahlt die Gerichtskosten.
  • sein Einkommen immer offenlegen
  • Adresswechsel und Änderungen der Beschäftigungsverhältnisse dem Gericht mitteilen

eventuell seinen Lebensstandard einschränken (z.B. ein teures Auto gegen ein günstigeres eintauschen)

Es gibt auch die Möglichkeit, innerhalb von 3 Jahren schuldenfrei zu werden.

Das beschleunigt zwar auf der einen Seite den Ablauf einer Privatinsolvenz, ist aber auch mit hohen Auflagen verbunden. Der Schuldner muss 35% seiner unbezahlten Rechnungen an seine Gläubiger zurückzahlen. Außerdem muss er die Gerichtskosten komplett selbst tragen. Kritiker sagen, dass so insgesamt 50% der Gesamtschulden gezahlt werden müssen. Deswegen haben nur wenige Schuldner so schnell Erfolg.

Schritt 4: Die Restschuldbefreiung

Hat der Schuldner die Wohlverhaltensphase erfolgreich überstanden, wird er von seinen Restschulden befreit. Der Ablauf einer Privatinsolvenz ist fertig abgewickelt. In der Schufa des Schuldners steht kein Eintrag mehr. Ein schuldenfreies Leben beginnt.

 

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Schuldnerberater in Köln Braunsfeld

Bildquellennachweis: © Gina Sanders – Fotolia.com

Share on Google+Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on TumblrPin on Pinterest